Biofilter-Dunstabzug aus Kräutern: Die lebende Küchenwand, die Gerüche neutralisiert und Feuchte reguliert

Umluft statt Abluft neu gedacht: Was, wenn Ihr Dunstabzug nicht nur Gerüche mindert, sondern zugleich frische Kräuter liefert, die Luft befeuchtet und flüchtige organische Verbindungen reduziert? Eine biofiltrierende Kräuterwand kombiniert Pflanzen, Substrat, Aktivkohle und leise EC-Lüfter zu einem effizienten, wohnraumtauglichen System – besonders spannend für Wohnungen ohne Abluftführung, Tiny Houses oder energieeffiziente Gebäude mit kontrollierter Lüftung.

Warum eine lebende Dunstabzug-Alternative?

Konventionelle Umluft-Hauben arbeiten meist mit Fett- und Aktivkohlefiltern, die regelmäßig ersetzt werden müssen. Die biofiltrierende Lösung setzt zusätzlich auf biologischen Abbau von Geruchsmolekülen durch Mikroorganismen in einem feuchten, durchströmten Wurzelraum. Ergebnis: angenehmere Raumluft, sichtbares Grün und essbare Ernte auf Augenhöhe.

So funktioniert die biofiltrierende Kräuterwand

Luftweg und Strömung

Die Kochwrasen werden über einen flachen Einlass oberhalb oder hinter dem Kochfeld angesaugt. Ein Vorfilter aus Metallgewebe fängt Fetttröpfchen. Dahinter erzeugen EC-Lüfter einen gleichmäßigen Volumenstrom, der die Luft durch drei Stufen führt:

  • Stufe 1 – Fett & Grobstaub: wiederverwendbarer Metall- oder Vliesfilter
  • Stufe 2 – Adsorption: Aktivkohle- oder Kokosschalen-Granulat gegen Gerüche
  • Stufe 3 – Biofiltration: feuchter Wurzelraum von Kräutern, in dem Mikroflora Geruchsmoleküle mikrobiell abbaut

Substrat und Mikrobiom

Als Trägermedium dienen Blähton oder grober Kokosfaser-Mix, die Wasser speichern und gut durchlüftet bleiben. Auf den Oberflächen bildet sich ein stabiler Biofilm aus nützlichen Mikroorganismen, der Aldehyde, Alkohole und Terpene abbaut. Das System arbeitet optimal bei moderater Feuchte; Staunässe wird durch Tropfkante und Abtropfschale vermieden.

Feuchte-Management

Ein großer Vorteil der Pflanzenwand ist die sanfte Luftbefeuchtung. Damit es in kleinen Küchen nicht zu feucht wird, regelt ein Hygrostat die Lüfterdrehzahl und die Tropfbewässerung. Zielbereich: etwa 40–55 Prozent relative Feuchte im Raum.

Aufbau und Komponenten im Überblick

  • Rahmenmodul: 1200 × 800 mm, tiefe 160–220 mm, rückseitig geschlossen
  • Lufteinlass: perforierte Blende über dem Kochfeld oder als flacher Randabsauger
  • EC-Lüfter: 2 × 150–200 mm, drehzahlgeregelt, geringer Strombedarf
  • Vorfilter: spülbares Edelstahlgewebe plus optionales Fettvlies
  • Adsorber: Wechselkassetten mit Aktivkohle (leicht erreichbar)
  • Substrat: Blähton 8–16 mm + Kokosfaser, 120–160 mm Schicht
  • Pflanzenebenen: essbare Kräuter vorne, robuste Luftreiniger dahinter
  • Bewässerung: Tropfschiene, 12 V-Micropumpe, 10–20 L Tank mit Füllstandssensor
  • LED-Pflanzenlicht: 4000 K Vollspektrum, 20–40 W, flimmerfrei, dimmbar
  • Steuerung: VOC-/Hygrometer-Sensor, Thermostat- und Timer-Funktionen, optional Matter
  • Abtropfwanne: herausnehmbar, Reinigungszugang von vorn

Dimensionierung und Planung

Die richtige Größe hängt von Raumvolumen, Kochgewohnheiten und Kochfeldbreite ab. Für kompakte Küchen ist ein Volumenstrom im Bereich 250–450 m³/h praxistauglich, sofern der Lufteinlass nahe am Kochbereich liegt und ein Fettvorfilter vorhanden ist. Als Orientierung:

Kochfeldbreite Empfohlener Volumenstrom Lüfter
60 cm 250–350 m³/h 1–2 × 150 mm EC
80 cm 300–450 m³/h 2 × 150–200 mm EC
90 cm Insel 400–550 m³/h 2 × 200 mm EC, größerer Einlass

Planen Sie eine Gehäusetiefe, die genug Substrat zulässt, ohne in den Raum zu dominieren. 18–22 cm funktionieren gut über Arbeitszeilen; bei Inseln lohnt ein Deckenmodul mit seitlicher Erfassung.

Pflanzenwahl: essbar, robust, luftreinigend

  • Vorne (Ernte & Aroma): Thymian, Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse, Oregano, Schnittlauch, Basilikum (wärmeliebend)
  • Dahinter (Luftreiniger): Efeutute Epipremnum, Grünlilie Chlorophytum, Friedenslilie Spathiphyllum
  • Duft-Manager: Marokkanische Minze, Zitronengras; sparsam einsetzen, kräftige Düfte können dominieren

Tipp: Kombinieren Sie mehrjährige Kräuter mit schnell wachsenden Sorten. Für gleichmäßige Biofiltration sind immergrüne, robuste Arten im Hinterfeld ideal.

DIY-Bauanleitung: 1,2 × 0,8 m Modul

Materialliste

  1. Rahmen aus Multiplex 18 mm, rückseitig dicht
  2. 2 × EC-Lüfter 150 mm, 24 V, PWM-regelbar
  3. Vorfilter: Edelstahlgewebe + Fettvlies (spülbar)
  4. Aktivkohle-Kassette 2–3 L, wechselbar
  5. Blähton 30 L + Kokosfaser 10 L
  6. 12 V Mikro-Pumpe, 15–25 L Wassertank, Tropfleiste
  7. LED-Pflanzenlicht 4000 K, 30 W, IP-Schutz für Küche
  8. Sensoren: VOC/TVOC, Temperatur, Luftfeuchte
  9. Steuerung: 24 V Netzteil, PWM-Controller, Zeitschaltfunktion oder Smart-Relais (Matter geeignet)
  10. Kräuterpflanzen in Töpfen oder als Stecklinge
  11. Abtropfwanne, Silikondichtungen, magnetische Wartungsklappen

Schritt-für-Schritt

  1. Rahmen bauen, Einlassblende über Kochfeld ausrichten, Gehäuse innen abwaschbar versiegeln.
  2. Vorfilter und Aktivkohle-Kassette mit Wartungsschlitten einsetzen.
  3. EC-Lüfter hinter der Kassette montieren, Luftpfad abdichten (Moosgummi).
  4. Abtropfwanne einsetzen, Tropfleiste und Schlauchführung verlegen.
  5. Substrat einfüllen, Pflanzen in Taschen/Nestern verteilen, dabei Wurzelraum gut belüften.
  6. LED-Licht oben integrieren, Blendung durch Matte/Prismenstreuung vermeiden.
  7. Elektrik 24 V SELV verkabeln, Sensoren positionieren (Einlassnähe, Raumhöhe).
  8. Probebetrieb: Lecktest, Fördermenge Pumpe einstellen, Lüfter-PWM auf leise Grundlast.
  9. Nach 7–10 Tagen Einlaufzeit Biofilm bildet sich; Luftleistung sukzessive anheben.

Hinweis: Bei Gasherden auf ausreichenden Abstand, Flammenschutz und Herstellerhinweise achten.

Wartung und Hygiene

  • Wöchentlich: Wasser nachfüllen, Sichtkontrolle auf Algen/Fettablagerungen.
  • Monatlich: Vorfilter spülen, Tropfleiste mit Bürste reinigen.
  • Halbjährlich: Aktivkohle tauschen, Substrat partiell auswaschen.
  • Jährlich: Lüfterkammer wischen, Silikonfugen prüfen, LED-Streuscheibe reinigen.
  • Nur milde Reinigungsmittel verwenden, Biofilm nicht komplett entfernen.

Pro und Contra

Aspekt Vorteil Beachtung
Luftqualität Biofiltration + Aktivkohle, sanfte Befeuchtung Vorfilter fettfrei halten
Ästhetik Grüne Statement-Wand, essbar Lichtführung gegen Blendung
Energie Effiziente EC-Lüfter, LED-Licht Dauerbetrieb feinjustieren
Wartung Reinigbare Module, DIY-geeignet Regelmäßiger Pflegezyklus nötig
Geräusch Leise bei reduzierter Drehzahl Maximalleistung hörbar

Smart Home und Automatisierung

  • VOC-Sensor steigert Lüfterleistung nur bei Kochgerüchen.
  • Hygrostat begrenzt Feuchte, regelt Bewässerungsintervalle.
  • Tageslichtprofil für LED: morgens hell, abends warm gedimmt.
  • Matter/Thread Szenen: Einschalten mit Kochfeld, Nachlauf 15–25 Minuten.

Fallbeispiel: 8 m² Stadt-Küche ohne Abluft

  • Modul 120 × 80 cm, 2 × 150 mm EC-Lüfter, Aktivkohle 2,5 L.
  • Einlass nahe am hinteren Pfannenrand, magnetische Fettfilter für schnelle Reinigung.
  • Ergebnis im Alltag: merklich weniger anhaltende Kochgerüche, angenehmere Luftfeuchte, wöchentliches Ernten von Kräutern.

Designideen für Integration

  • Oberschrank-Hybrid: Modul als Front eines Hängeschranks, rückseitig Stauraum für Filter.
  • Nischenrückwand: Flaches Modul als Teil der Küchenrückwand, Licht als Arbeitsfläche-Downlight.
  • Deckenkranz über Insel, seitliche Ansaugschlitze, Kräuter in Hängekörben.

Kosten und Betrieb

  • Invest je nach Größe und Komponenten: von DIY-basiert bis Manufakturmaß.
  • Laufkosten: Aktivkohle, etwas Strom für Lüfter, Pumpe und LED; Pflegeaufwand überwiegend Spül- und Wischarbeiten.
  • Ersparnis: Wegfall häufiger Einwegfilter und zusätzliche Raumbegrünung statt separater Pflanzenpflege.

Sicherheit und Praxis

  • Elektrik SELV 24 V im Pflanzbereich, Netzteil trocken und zugänglich.
  • Spritzschutz, Abtropfwanne und Überlauf-Sensor minimieren Wasserrisiken.
  • Abstand zu offenen Flammen, hitzebeständige Einlassblende verwenden.
  • Materialwahl für das Gehäuse: feuchtebeständige Beschichtung.

Ausblick: modulare Biofilter-Kassetten

  • Wechselkassetten mit vorkultiviertem Substrat für schnellen Saisonwechsel der Kräuter.
  • Sensorfusion: Bilderkennung erkennt Filterverschmutzung, erinnert an Reinigung.
  • PV-DC-Betrieb: Direktbetrieb der 24 V-Lüfter über Balkon-PV mit Pufferakku.

Fazit

Die biofiltrierende Kräuterwand ist mehr als ein Gag: Sie vereint Umluft-Abzug, Luftqualitätsverbesserung und frische Ernte auf einer kompakten Fläche. Wer eine Küche ohne Abluft effizienter, gesünder und schöner machen will, findet hier eine zukunftsfähige Lösung. Starten Sie mit einem 60-cm-Testmodul und wachsen Sie im wahrsten Sinn des Wortes mit Ihren Anforderungen.

CTA: Planen Sie Ihr erstes Modul – messen, Materialliste anpassen, Pflanzen wählen – und erleben Sie in vier Wochen den Unterschied.