Warum kleine Bäder so schnell chaotisch wirken und wo Stauraum wirklich entsteht
In deutschen Mietwohnungen sind Bäder oft 3 bis 6 m2 groß. Wenn Waschbeutel, Kosmetik, Handtücher und Putzmittel sichtbar herumstehen, wirkt der Raum sofort unruhig. Der Trick ist nicht “mehr Regale”, sondern Stauraum an den richtigen Zonen: über dem Waschtisch, in Wandnischen, über der Tür und in schmalen Hochformaten.
Praktisch gedacht hat ein kleines Bad drei Stauraum-Ebenen: Griffzone (täglich), Vorratszone (wöchentlich) und Technikzone (selten). Wenn du diese Ebenen sauber trennst, verschwindet das Chaos ohne dass du Quadratmeter “findest”.
Wichtig: Stauraum im Bad muss feuchtefest sein. Viele schöne Möbel aus dem Wohnbereich quellen im Bad auf, wenn Kanten nicht sauber versiegelt sind. Plane daher Material und Position gemeinsam.
| Lösung | Stärke | Typische Kosten (DE) |
| Spiegelschrank (60-100 cm) | Maximaler Stauraum in Griffhöhe, wirkt aufgeräumt | 120-450 EUR |
| Schmaler Hochschrank (20-30 cm) | Viel Volumen bei wenig Breite, ideal neben Tür | 90-350 EUR |
| Wandnischen (nachrüstbar) | Stauraum ohne Tiefe im Raum zu verlieren | 40-180 EUR |

Bestandsaufnahme in 15 Minuten: So misst du richtig und findest “tote” Zonen
Bevor du etwas kaufst: Miss einmal sauber. Viele Fehlkäufe passieren, weil Türen, Heizkörper oder Handtuchhalter in den Schwenkbereich ragen.
Mini-Messplan (so gehst du vor)
- Breite und Tiefe vor Waschtisch, WC und Dusche/Badewanne messen.
- Türschwenk markieren: 90 Grad Öffnung, plus 3 bis 5 cm Sicherheitsabstand.
- Greifhöhe festlegen: Alles, was täglich gebraucht wird, zwischen 80 und 170 cm platzieren.
- Wandflächen prüfen: hinter der Tür, neben dem Spiegel, über dem WC, über dem Türsturz.
- Feuchte- und Spritzwasserzone markieren: 60 cm um Dusche/Badewanne und direkt am Waschtisch.
Tote Zonen sind meist: der Bereich über dem WC, die 20 bis 30 cm Wandstreifen neben dem Spiegel und die Ecke zwischen Türzarge und Wand. Genau dort funktionieren schmale Möbel und Nischen am besten.
Spiegelschrank richtig wählen: Tiefe, Aufteilung, Licht und Steckdose
Ein Spiegelschrank ist im kleinen Bad meist die Nummer 1, weil er Stauraum in der Griffzone schafft, ohne Stellfläche zu verbrauchen. Entscheidend ist die Tiefe: zu tief wirkt wuchtig und stört beim Waschen, zu flach passt nichts hinein.
Praxiswerte, die in vielen Bädern funktionieren
- Tiefe: 12 bis 16 cm sind alltagstauglich, ohne dass du dir am Schrank die Stirn stößt.
- Breite: 60 cm für Single-Haushalt, 80 bis 100 cm für Paar/Familie.
- Innenaufteilung: höhenverstellbare Glasböden, mindestens 1 Fach mit 20 cm Höhe (für Deo, Haarspray).
- Licht: integrierte LED (neutralweiß 3500 bis 4000 K) für realistisches Spiegelbild.
- Steckdose innen: extrem praktisch für Rasierer/Zahnbürste, aber auf Schutzklasse achten.
Montage-Hinweise (mieterfreundlich)
Wenn du bohren darfst: nutze geeignete Dübel für deine Wand (Rigips braucht Hohlraumdübel). Wenn Bohren schwierig ist (Fliesen, Leitungen unklar), ist ein Standspiegel mit seitlichem Stauraum eine Zwischenlösung, aber weniger sauber als ein Spiegelschrank.
Pro-Tipp aus der Praxis: Viele Spiegelschränke haben Kabelauslass oben. Plane die Stromzufuhr so, dass kein sichtbares Kabel am Spiegel herunterläuft. Im Zweifel ein Modell ohne integrierte Leuchte wählen und separat mit einer Spiegelleuchte arbeiten.
Schmale Hochschränke (20-30 cm): So nutzen sie die Höhe, ohne den Raum zu erschlagen
Ein schmaler Hochschrank ist ideal, wenn du zu wenig Stauraum für Handtücher und Vorräte hast. Entscheidend ist, dass er nicht in Laufwege ragt und optisch leicht wirkt.
Wo ein Hochschrank meist passt
- neben der Tür (wenn Türschwenk frei bleibt)
- in einer Nische neben dem Waschtisch
- zwischen Waschmaschine und Wand (wenn vorhanden)
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Breite: 20 bis 30 cm sind im kleinen Bad oft das Maximum.
- Tiefe: 25 bis 35 cm reichen für Handtücher und Toilettenpapier, ohne klobig zu wirken.
- Türen statt offene Fächer: offene Regale sehen schnell unordentlich aus, besonders bei vielen Kleinteilen.
- Material: melaminbeschichtete Platten mit sauberer Kantenversiegelung oder lackierte Fronten.
- Standfestigkeit: Kippsicherung an der Wand ist Pflicht, gerade mit Kindern.
Alltagstaugliche Innenaufteilung: oben “Backup” (Shampoo, Seife), mittig Handtücher, unten Putzmittel und Toilettenpapier. So bleibt die Griffzone am Waschtisch frei.
Wandnischen und Slim-Regale: Stauraum schaffen, ohne Stellfläche zu verlieren
Wenn du kaum Platz hast, sind Nischen die sauberste Lösung. Du nutzt Wandtiefe statt Raumtiefe. In Mietwohnungen geht es oft ohne Stemmarbeiten: mit aufgesetzten Nischenregalen oder sehr flachen Wandboxen.
3 praxiserprobte Varianten
- Aufgesetzte Nischenbox: 8 bis 12 cm tief, ideal neben Spiegel oder über WC.
- Duschnische zum Kleben: Edelstahl oder Alu, ohne Bohren, aber nur auf glatten Fliesen zuverlässig.
- Magnet- oder Relingsystem: für Rasierer, Scheren, Pinzetten, besonders gut im Spiegelschrank-Umfeld.
Wichtig: Klebelösungen halten nur auf wirklich entfetteten Fliesen. Reinige mit Isopropanol, nicht nur mit Badreiniger, sonst löst es sich nach Wochen.

Ordnungssystem, das im Bad wirklich funktioniert: Zonen, Boxen, Nachfülllogik
Mehr Stauraum bringt nichts, wenn Kleinteile lose herumfliegen. Im Bad sind kleine, wiederholbare Routinen entscheidend: gleiche Behälter, klare Kategorien, begrenzte Mengen.
Das 3-Zonen-System (leicht umzusetzen)
- Zone 1: Täglich - Zahnpflege, Handcreme, Kontaktlinsen, Rasierer. Nur diese Dinge dürfen in Griffhöhe bleiben.
- Zone 2: Wöchentlich - Pflegeprodukte, Styling, Medikamente (trocken lagern, nicht direkt über der Dusche).
- Zone 3: Vorrat - Nachfüllpacks, Toilettenpapier, Putzmittel. In den Hochschrank oder ein oberes Fach.
Boxen-Regeln (damit es nicht wieder kippt)
- Eine Kategorie pro Box (z.B. “Haare”, “Rasur”, “Make-up”).
- Maximal 2 Reihen Tiefe, sonst wird hinten vergessen.
- Transparente Boxen für Vorrat, blickdichte Boxen für Kleinteile im Sichtbereich.
- Etiketten sparen Zeit, gerade im Familienbad.
Nachfülllogik, die im Alltag hält: Stell eine kleine “Nachfüll-Box” in den Hochschrank. Sobald ein Produkt leer ist, kommt es nicht auf die Waschbeckenablage, sondern direkt in die Nachfüll-Box. Einmal pro Woche wird nachgefüllt oder nachgekauft.
Materialien und Feuchteschutz: Was im Bad lange hält
In kleinen Bädern hast du mehr Dampfdichte pro Kubikmeter. Das heißt: Kanten, Scharniere und Rückwände leiden schneller. Gute Auswahl spart Ärger.
Material-Check in der Praxis
- Melaminbeschichtung: robust, bezahlbar, gut für Korpus. Achte auf sauber versiegelte Kanten.
- Lackierte Fronten: feuchtebeständig, leicht zu reinigen, Fingerabdrücke je nach Finish sichtbar.
- Echtholz: nur sinnvoll, wenn geölt und nicht in Spritzwasserzone. Für kleine Bäder oft pflegeintensiv.
- Metall (Edelstahl/Alu): ideal in der Dusche, wenig Pflege, wirkt modern.
Belüftung ist Teil der Stauraumplanung: Schränke direkt an kalten Außenwänden brauchen etwas Luft dahinter (ein paar Millimeter reichen), sonst steigt Schimmelrisiko. Bei sehr feuchten Bädern helfen Lüftungsschlitze oder ein Spalt unter der Tür, sofern möglich.
Budgetplanung: 3 sinnvolle Pakete für deutsche Wohnungen
Unter 150 EUR: Sofort mehr Ordnung
- Flache Wandbox oder Slim-Regal neben Spiegel
- 2 bis 4 Boxen (für Kategorien)
- Hakenleiste hinter der Tür (Handtücher, Bademantel)
150 bis 450 EUR: Spiegelschrank als Haupthebel
- Spiegelschrank 60 bis 80 cm
- Innenboxen, ggf. magnetische Halter
- Optional: schmaler Wäschekorb (20 cm) statt großer Korb
450 bis 900 EUR: Komplett stimmig ohne Umbau
- Spiegelschrank plus schmaler Hochschrank
- Feuchtesichere Wandelemente in Dusche (kleben oder bohren)
- Einheitliche Fronten/Farben für ruhige Optik
Podsumowanie
- Plane Stauraum nach Zonen: täglich, wöchentlich, Vorrat.
- Spiegelschrank (12 bis 16 cm tief) bringt den größten Effekt ohne Stellfläche.
- Schmale Hochschränke (20 bis 30 cm) funktionieren neben Tür und in Nischen.
- Nutze Wandnischen und Slim-Boxen, statt den Boden zuzustellen.
- Setze auf feuchtefeste Materialien und versiegelte Kanten, sonst quillt es auf.
- Ordnung hält mit Boxen-Regeln: eine Kategorie pro Box, maximal 2 Reihen Tiefe.
FAQ
Welche Tiefe sollte ein Spiegelschrank im kleinen Bad haben?
In der Praxis sind 12 bis 16 cm ideal: genug Platz für typische Badartikel, ohne dass der Schrank wuchtig wirkt oder beim Waschen stört.
Wo stelle ich Putzmittel und Toilettenpapier am besten hin?
In die Vorratszone: unten im schmalen Hochschrank oder in ein oberes Fach. Sichtbar neben dem WC wirkt es schnell unruhig.
Sind Klebe-Regale in der Dusche zuverlässig?
Ja, wenn die Fliese glatt ist und du sauber entfettet (Isopropanol). Auf strukturierten Fliesen oder Fugenflächen lösen sich Klebelösungen häufiger.
Wie verhindere ich Schimmel hinter Badschränken?
Schränke nicht komplett luftdicht an kalte Außenwände pressen. Ein kleiner Luftspalt hilft, plus konsequentes Lüften nach dem Duschen.

