Warum Duschabdichtung scheitert und wie du es gleich richtig machst
Undichte Anschlüsse in der Dusche sind einer der häufigsten Gründe für Feuchteschäden im Bad: Wasser läuft hinter die Silikonfuge, zieht in Gipskarton, Estrich oder Holzständer und sorgt später für Schimmel, lose Fliesen oder aufgequollene Sockelleisten. Das Problem: Silikon ist keine „Abdichtung“ im bauphysikalischen Sinn, sondern eine Wartungsfuge. Wenn darunter keine saubere Verbundabdichtung und keine korrekten Anschlussbänder sitzen, gewinnt Wasser langfristig immer.
Gute Nachricht: Viele Probleme lassen sich im Bestand pragmatisch entschärfen, wenn du die Fuge fachlich erneuerst, kritische Übergänge mit Dichtband sicherst und typische Fehler (zu dünne Fuge, falscher Primer, falsche Reihenfolge) vermeidest. In Mietwohnungen ist es besonders wichtig, sauber und rückbaubar zu arbeiten und Schäden früh zu dokumentieren.
Im Artikel bekommst du eine praxistaugliche Vorgehensweise, die in deutschen Bädern mit üblichen Materialien aus Baumarkt oder Fliesenfachhandel funktioniert, inklusive Checkpoints, Materialliste und Zeit- und Kostenrahmen.
- Ja/Nein: Gibt es dunkle Ränder, lose Stellen oder Schimmel direkt an der Silikonfuge?
- Ja/Nein: Dringt Wasser bei Belastung (Duschen) sichtbar hinter die Fuge (Blasen, feuchte Stellen, muffiger Geruch)?
- Ja/Nein: Gibt es Risse in der Fuge an Ecken, bei Wand-Wannen-Anschluss oder am Glasprofil?
- Ja/Nein: Ist die Fuge sehr schmal (unter ca. 3 mm) oder ungleichmäßig tief?
- Ja/Nein: Liegt Gipskarton/Leichtbau hinter Fliesen oder ist die Wand „hohl“ klingend?
- Ja/Nein: Gibt es bereits aufgequollene Leisten, verfärbte Silikonränder oder abplatzende Farbe außerhalb des Spritzwasserbereichs?

Vorbereitung: Schäden eingrenzen, bevor du Silikon erneuerst
Bevor du irgendetwas aufschneidest, kläre: Ist es nur eine alte Wartungsfuge oder ein tieferes Abdichtungsproblem? Wenn du bereits weiche Wandbereiche, hohle Fliesen, aufgequollene Türzargen oder dauerfeuchte Stellen außerhalb der Dusche siehst, ist das kein „Silikon-Thema“ mehr. Dann droht verdeckte Durchfeuchtung.
Schnelle Diagnose in 15 Minuten
- Wassertest: Dusche trocken wischen. Dann 2-3 Minuten gezielt Wasser an die Anschlussfuge laufen lassen. Danach außen an angrenzenden Bauteilen (Sockel, Wandfuß, Nachbarwand) prüfen, ob Feuchte durchkommt.
- Geruchscheck: Muffiger Geruch nach dem Duschen, der in 1-2 Stunden nicht verschwindet, ist ein Warnsignal.
- Fugenbild: Schwarze Punkte am Rand sind oft Schimmel in der Oberfläche. Dunkle Schatten unter transparentem Silikon deuten auf Feuchte darunter.
- Bewegung: Wanne/Duschtasse minimal belasten (vorsichtig hineinsteigen). Reißt die Fuge optisch auf, fehlt oft die richtige Fugenbreite oder die Hinterfüllung.
Wann du stoppen und Vermieter oder Fachbetrieb einschalten solltest
- Fliesen lösen sich, Hohlstellen nehmen zu.
- Wand ist weich, Farbe blättert außerhalb der Dusche ab.
- Schimmel kommt trotz Reinigung schnell wieder und sitzt tief in Poren oder an Silikonrändern.
- Du hast eine bodengleiche Dusche mit Verdacht auf undichten Bodenaufbau.
In Mietwohnungen gilt: Schäden sofort schriftlich melden (kurz, sachlich, mit Fotos). Silikonfugen zu erneuern ist oft eine Kleinreparatur, aber verdeckte Feuchteschäden sind Vermietersache. Wenn du unsicher bist: erst dokumentieren, dann handeln.
Werkzeuge und Materialien: Was wirklich nötig ist (und was nicht)
Du brauchst keine Profi-Ausrüstung, aber du brauchst die richtigen Basics. Entscheidend sind sauberes Entfernen, fettfreie Untergründe, korrekte Fugengeometrie und ein Sanitärsilikon mit Fungizid. In Deutschland bekommst du alles bei Bauhaus, Hornbach, OBI oder im Fliesenhandel.
Minimal-Setup für saubere Silikonfugen
- Silikonentferner (Gel) und Kunststoffschaber
- Cuttermesser mit frischer Klinge
- Isopropanol (70-99%) oder silikonfreier Reiniger
- Fugenband (Malerkrepp, gute Qualität) 19-25 mm
- Hinterfüllschnur (PE-Rundschnur) passend zur Fugenbreite
- Silikonpistole (stabil, nicht die ganz dünne)
- Sanitärsilikon (neutralvernetzend, schimmelhemmend)
- Glättmittel (oder mildes Spüliwasser, sparsam) und Fugenglätter
Wenn du Anschlussbereiche „aufwerten“ willst: Dichtband-Option
Für kritische Übergänge (z.B. Wand-Wanne, Glasprofil, problematische Ecken) ist ein Abdichtband unter der Fliese ideal. Im Bestand ist das nicht immer erreichbar. Was aber oft funktioniert: ein selbstklebendes Butyl-Dichtband oder ein Wannenrand-Dichtband im sichtbaren Anschlussbereich, das anschließend sauber verfugt wird. Das ist keine Norm-Verbundabdichtung, aber in vielen Altbädern eine realistische Schadensbegrenzung.
Schritt-für-Schritt: Silikonfugen in der Dusche erneuern wie ein Profi
Plane realistisch: Für eine normale Dusche (Ecken, Wandanschlüsse, Glasprofil) brauchst du als geübter Heimwerker ca. 2-4 Stunden Arbeitszeit plus Trocknungszeiten. Hauptfehler ist Hektik: Silikon verzeiht keine „Nacharbeiten“ nach dem Anziehen.
1) Alte Fuge vollständig entfernen (wirklich vollständig)
- Fuge mit Cutter beidseitig einschneiden, Silikon herausziehen.
- Reste mit Kunststoffschaber abheben, nicht mit Metall an Acrylwannen kratzen.
- Silikonentferner gelartig auftragen, Einwirkzeit beachten, dann nacharbeiten.
- Am Ende darf kein Film bleiben, sonst haftet neues Silikon schlecht.
Praxis-Tipp: In Ecken sitzt oft ein dünner Rest, der wie „Schmutz“ aussieht. Wenn du den lässt, reißt die neue Fuge genau dort ab.
2) Untergrund reinigen und trocknen
- Erst mit Reiniger entfetten, danach mit klarem Wasser nachwischen.
- Zum Schluss mit Isopropanol abreiben (sparsam, nicht auf empfindliche Natursteine).
- Mindestens 30-60 Minuten trocknen lassen, besser länger. Kein Silikon auf feuchten Untergrund.
3) Fugengeometrie herstellen: Hinterfüllschnur setzen
Die Fuge soll zwei Flanken haften, nicht drei. Wenn Silikon zusätzlich am Fugengrund klebt, wird es bei Bewegung überdehnt und reißt. Genau dafür ist die Hinterfüllschnur da.
- Rundschnur leicht übermaßig wählen und gleichmäßig eindrücken.
- Ziel: Fuge etwa halb so tief wie breit (Faustregel) und gleichmäßig.
- Bei sehr schmalen Fugen ist Hinterfüllung schwierig: dann lieber Fuge minimal verbreitern (wenn möglich) oder besonders elastisches Silikon nutzen.
4) Abkleben für scharfe Kanten
- Klebeband beidseitig der Fuge setzen, gleichmäßiger Abstand.
- An Ecken das Band sauber einschneiden und überlappen, damit keine „Zacken“ entstehen.
5) Silikon einbringen: langsam, gleichmäßig, ohne Lufteinschlüsse
- Düse im 45-Grad-Winkel abschneiden, Öffnung passend zur Fugenbreite.
- In einem Zug ziehen, Düse dabei leicht in die Fuge drücken.
- Lieber minimal zu viel als zu wenig, überschüssiges Material wird beim Glätten abgenommen.
6) Glätten: ein Durchgang, dann Band abziehen
- Glättmittel sehr sparsam verwenden. Zu viel kann die Oberfläche „auswaschen“.
- Mit Fugenglätter einmal gleichmäßig abziehen, nicht mehrfach „nachpolieren“.
- Klebeband sofort abziehen, solange Silikon noch frisch ist.
Praxis-Tipp: Wenn du nach 10 Minuten noch einmal drüber gehst, bekommst du oft matte Stellen und spätere Schmutzränder. Ein sauberer Durchgang ist besser.
7) Aushärten lassen: Dusche wirklich trocken lassen
- Je nach Produkt meist 12-24 Stunden nicht duschen (Herstellerangabe zählt).
- Bad gut lüften, aber keine Staubquelle direkt daneben (Silikon zieht Staub an).
Kritische Details: Wand-Wanne, Glasprofile, bodengleiche Dusche
Die meisten Leckagen entstehen an Übergängen mit Bewegung: Acrylwanne arbeitet, Glasprofile schwingen minimal, bodengleiche Duschen haben viele Anschlüsse auf engem Raum. Hier lohnt sich extra Sorgfalt.
Wand an Badewanne oder Duschtasse: Bewegung einplanen
- Wanne beim Verfugen leicht belasten (z.B. mit etwas Wasser füllen oder vorsichtig Gewicht), damit die Fuge in „Betriebsposition“ aushärtet.
- Fuge nicht zu dünn: unter ca. 3 mm wird es kritisch, weil Bewegungen nicht aufgenommen werden.
- Wenn es immer wieder reißt: Prüfe, ob die Wanne ordentlich unterfüttert und fixiert ist. Das ist ein Montageproblem, kein Silikonproblem.
Glasprofile und Duschabtrennungen: Dichtung statt Silikon-Orgien
Viele versuchen, jede Kante komplett zu „versiegeln“. Das kann kontraproduktiv sein, weil Wasser, das in Profile gelangt, nicht mehr ablaufen kann.
- Herstellerlogik beachten: Oft wird nur außen silikoniert, innen bleiben definierte Ablaufwege frei.
- Lose Dichtlippen ersetzen statt alles zuzukleistern.
- Bei Schimmel am Profil: Profile öffnen (wenn möglich), reinigen, trocknen, dann gezielt neu abdichten.
Bodengleiche Dusche: Wenn die Fuge nicht die Hauptabdichtung ist
Bei Walk-in-Duschen entscheidet die Verbundabdichtung unter den Fliesen. Wenn hier etwas undicht ist, hilft Silikon nur oberflächlich. Typische Anzeichen: Feuchte in angrenzenden Räumen, dunkle Fugen im Boden, Ausblühungen, ständiger Geruch.
- Nur Randfugen erneuern ist ok als Wartung.
- Bei Verdacht auf Untergrundproblem: nicht weiter „verschlimmbessern“, sondern Leckage lokalisieren lassen.
Dichtband im Bestand einsetzen: Sinnvoll, wenn du es richtig positionierst
Wenn du wiederkehrend Probleme am Wand-Wannen-Anschluss hast, kann ein sichtbares Dichtband helfen, Wasser von der Fuge wegzuführen. Das ist eine pragmatische Lösung, vor allem in Altbädern, wo die perfekte Normabdichtung nicht mehr erreichbar ist.
So gehst du vor (Bestand, ohne Fliesen abnehmen)
- Altes Silikon entfernen und Bereich gründlich entfetten.
- Butyl-Dichtband oder Wannenrand-Dichtband so kleben, dass es sauber auf Wanne und Wandfliese anliegt.
- Band fest andrücken (Rolle nutzen), Ecken sauber faltenfrei ausbilden.
- Bandkanten mit dünner, sauber gezogener Silikonfuge „abschließen“ (nicht flächig zuschmieren).
Wichtig: Auf strukturierten, stark profilierten Fliesen halten Klebebänder oft schlechter. Dann ist eine klassische Silikonfuge die bessere, weil kalkulierbare Lösung.
Typische Fehler aus der Praxis (und wie du sie vermeidest)
- Silikon auf Silikon: hält nicht dauerhaft. Alte Reste müssen komplett weg.
- Zu viel Glättmittel: kann Haftung und Optik verschlechtern. Minimal dosieren.
- Drei-Flanken-Haftung: ohne Hinterfüllschnur reißt die Fuge schneller.
- Fuge zu schmal: sieht „clean“ aus, funktioniert aber oft schlechter. Lieber technisch sinnvoll dimensionieren.
- Zu früh duschen: die Oberfläche wirkt trocken, ist innen aber weich. Wasser zerstört die Struktur.
- Falsche Bereiche abdichten: bei Duschprofilen Ablaufwege nicht verschließen.
Kosten, Zeit und realistische Erwartungen (deutsche Praxiswerte)
Für eine durchschnittliche Dusche liegen Materialkosten meist im Rahmen von 25 bis 70 EUR, je nach Silikonqualität, Entferner, Hinterfüllschnur und ob du zusätzlich Dichtband einsetzt. Ein Profi nimmt je nach Region und Aufwand häufig 150 bis 350 EUR, bei komplizierten Profilen oder großem Entfernen alter Fugen auch mehr.
- Zeit: 2-4 Stunden Arbeit plus 12-24 Stunden Aushärtung.
- Haltbarkeit: gute Sanitärfugen oft 3-8 Jahre, je nach Pflege, Lüftung und Wasserhärte.
- Pflege: nach dem Duschen abziehen, regelmäßig mild reinigen, keine aggressiven Chlorbomben als Dauerlösung.

Podsumowanie
- Alte Silikonfuge muss komplett raus, sonst haftet die neue nicht zuverlässig.
- Untergrund fettfrei und trocken: Reinigen, nachwischen, trocknen lassen.
- Hinterfüllschnur verhindert Drei-Flanken-Haftung und reduziert Rissrisiko.
- Ein Zug beim Glätten, Klebeband sofort abziehen, dann in Ruhe aushärten lassen.
- Bei bodengleichen Duschen oder weichen Wänden: Verdacht auf tieferes Abdichtungsproblem ernst nehmen.
FAQ
Wie oft muss man Silikonfugen in der Dusche erneuern?
Typisch alle 3-8 Jahre. Früher, wenn Risse, Ablösungen, Schimmel unter dem Silikon oder wiederkehrende Undichtigkeiten auftreten.
Kann ich neues Silikon einfach über das alte ziehen?
Nein. Silikon haftet auf altem Silikon schlecht. Für eine dauerhaft dichte Fuge muss das alte Material vollständig entfernt und der Untergrund entfettet werden.
Welches Silikon ist richtig fürs Bad?
Neutralvernetzendes Sanitärsilikon mit schimmelhemmender Ausrüstung. Bei Naturstein braucht es Naturstein-Silikon, sonst drohen Randverfärbungen.
Wer ist in der Mietwohnung für Silikonfugen zuständig?
Oft gelten Silikonfugen als Wartungsfugen, die je nach Mietvertrag in den Bereich Kleinreparatur fallen können. Bei Verdacht auf Bauschaden oder Durchfeuchtung: immer zuerst Vermieter informieren und dokumentieren.

